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Einführung in die Digitalisierung Arztpraxis

10. August 2023 // Selina Därr

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Wie digital sind Arztpraxen in Deutschland?

Das Vorhaben, die eigene Arztpraxis digitalisieren zu müssen, betrifft viele Inhaber:innen. Denn aktuell sind noch viele Praxen auf einem niedrigen Digitalisierungsstandard. Durch oft veraltete IT-Systeme in den Arztpraxen fehlen offene Schnittstellen, die eine Vernetzung vereinfachen würden. 

Die Telematikinfrastruktur (TI) ist die, von der kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) so bezeichnete „Datenautobahn des Gesundheitswesens“. Daran angeschlossen waren Ende des Jahres 2021 89 % der niedergelassenen Ärzt:innen in Deutschland, jedoch zeigten sich auch im Jahr 2022 noch Probleme bei der Implementierung, was der flächendeckenden Verwendung der TI bei allen Akteuren des Gesundheitswesens entgegenspricht. 

Seit 2004 ist die elektronische Patientenakte (ePA) im SGB V verankert, im Herbst 2022 hatten nur 0,7 % der GKV-Versicherten eine ePA angelegt. 

Insgesamt wird die Digitalisierung in Arztpraxen deutlich kritischer gesehen als in Kliniken. 

Mehr als ein Drittel der Befragten der Bitcom setzte für Notizen und Dokus noch auf analoge Medien. Auch das Fax ist demnach noch in jeder fünften Praxis das zentrale Kommunikationsmittel zu anderen Praxen, gefolgt von der Briefpost. 

Was gehört alles zur Digitalisierung Arztpraxis?

Die Digitalisierung in der Arztpraxis umfasst ein sehr weites und umfangreiches Feld, das mittlerweile in allen Bereichen in der Organisation zu finden ist. 

Die folgende Liste ist nicht als abschließend und allumfassend anzusehen, sondern zeigt, wie viele Möglichkeiten es bei der Praxis Digitalisierung gibt.: 

  • Telemedizin: Über räumliche Distanzen hinaus werden medizinische Leistungen angeboten
  • Telemonitoring: Dabei werden relevante Gesundheitsparameter aus der Ferne elektronisch kontrolliert, ausgewertet und stetig transferiert. Beispiel für eine Indikation, bei der Telemonitoring unter gewissen Voraussetzungen abrechenbar ist, ist eine fortgeschrittene Herzinsuffizienz. 
  • Videosprechstunde: Diese digitale Möglichkeit der Patientenbehandlung hat mit der Corona-Pandemie einen echten Boom erlebt. Von ca. 3.000 abgerechneten Videosprechstunden im Jahr 2019 waren es in den ersten beiden Quartalen 2020 schon 1,4 Mio. Ein allzu starker Rückgang ist nicht abzusehen, aktuell sind von 150.000 bis 300.000 Videosprechstunden pro Monat auszugehen. 
  • Telematikinfrastruktur (TI) / e-Rezept: Spätestens zum 01.01.2024 sind alle Vertragsärzt:innen dazu verpflichtet, elektronische Rezepte für verschreibungspflichtige Arzneimittel auszustellen. Die Telematikinfrastruktur soll dafür einen sicheren und schnellen Austausch der Akteure im Gesundheitswesen sicherstellen. 
  • Praxisverwaltungssystem (PVS): Das PVS bildet die Basis und das zentrale Tool im Praxismanagement jeder Praxis. Sie stellt quasi ein digitales Karteikartensystem für Patientendaten dar. Ziel ist es, alle Organisations- und Dokumentationsaufgaben in der Praxis digital abzubilden. 
  • Einbindung/Dokumentation der Medizintechnik in das PVS: Damit die Digitalisierung in der Arztpraxis als durchgehender Prozess umgesetzt werden kann, ist die Einbindung der Medizintechnik mit den entsprechenden Schnittstellen unerlässlich. 
  • elektronische Patientenakte (ePA): Sie ist an die TI angebunden und enthält medizinische, patientenbezogene Dokumente, auf die Patient:in und benannte Leistungserbringer Zugriff haben. Der Patientenzugriff ist dabei unbeschränkt, der Zugriff für Leistungserbringer kann auch nur lesend sein oder zeitlich befristet werden oder bestimmte Dokumente ausgrenzen. 
  • elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU): Seit Herbst 2021 ist die eAU bereits für diverse Akteure im Gesundheitswesen verpflichtend. 
  • elektronischer Medikationsplan (eMP): Durch den eMP können sich unterschiedliche Leistungserbringer leicht einen Gesamtüberblick zur derzeitigen Medikation der Patient:innen verschaffen, was die Arzneimitteltherapiesicherheit erheblich erhöht. 
  • elektronisches Rezept (E-Rezept): Um das E-Rezept nutzen zu können, bekommen Patient:innen einen QR-Code, ausgedruckt oder digital zur Verfügung gestellt. 
  • Kommunikation im Medizinwesen (KIM): Bei KIM handelt es sich um eine Ende-zu-Ende-verschlüsseltes Übermittlungsverfahren im Gesundheitswesen, das auf E-Mail basiert. Damit können patientenbezogene Dokumente zwischen den medizinischen Leistungserbringern transferiert werden. 
    • Förderung telemedizinischer Leistungen (Online-Videosprechstunde, telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen)
    • TI-Messenger (TIM): TIM ist ein Messenger für das Gesundheitswesen und soll als Standard für mehr Transparenz und Sicherheit in der sektorenübergreifenden Kommunikation im Gesundheitswesen sorgen. 
  • elektronischer Arztbrief 
  • Versichertenstammdatenmanagement
  • Notfalldatenmanagement 
  • usw.

Die Vorteile der Digitalisierung für Arztpraxen

  • Effizientere Praxisverwaltung
  • Verbesserte Patientenversorgung
  • Digitalisierte Gesundheitsdaten
  • Zeitersparnis und mehr Zeit für Patient:innen
  • Verbesserung der Arbeitsabläufe und Workflows
  • Arbeiten auf strukturierter Basis
  • Attraktivität der Praxis gegenüber Patient:innen steigt durch moderne Kommunikationsmöglichkeiten

Herausforderungen der Digitalisierung

Der Großteil der Mediziner:innen in Deutschland stehen der Digitalisierung in der Medizin positiv gegenüber und sehen Verbesserungspotenziale für die Patientenversorgung durch digitale Technologien. Der positiven Meinung gegenüber stehen die Einschätzungen vieler Mediziner:innen hinsichtlich einer unzureichenden Marktreife elektronischer Anwendungen und die hohen Kosten. Aufgrund dieser zwei zentralen Faktoren ist insbesondere im niedergelassenen Bereich noch ein hohes Wachstumspotenzial, die Arztpraxis zu digitalisieren. 

Ziel ist es, eine digitale Infrastruktur für alle Bereiche in der Arztpraxis zu schaffen. Entsprechende Netzwerkpartner bieten hier Unterstützung.

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Wie lässt sich eine Arztpraxis digitalisieren? – Tipps

Zentral für eine optimale sektorenübergreifende Patientenversorgung ist eine digitale Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen. Dabei gilt es die eigene IT-Strategie zu hinterfragen. Ziel sollte dabei immer eine schnelle und einfache Integration von digitalen Systemen in den eigenen Betrieb sein. Über digitale Plattformen können innovative Lösungen und Daten zur Verfügung gestellt werden und fördern effiziente Prozesse im Rahmen der Vernetzung. 

Damit ein PVS auch über alle Funktionalitäten verfügt, die in der Arztpraxis gebraucht werden, ist von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung festgelegt, was das System können muss. 

Damit keine Schnittstellenproblematiken oder Medienbrüche entstehen, ist bei der Auswahl von Systemen stets auf die Kompatibilität zu achten. Die Schnittstellen sind größtenteils standardisiert und über DICOM, GDT und HL7 in die PVS integrierbar.

  • Aktuellen Technologiestand festhalten

    Vieles ist möglich und fortlaufende technische Weiterentwicklung und digitalen Innovationen ist die Digitalisierung in der Arztpraxis mehr als laufenden Prozess anstatt Projekt mit festgelegtem Projektende zu verstehen. Wichtig zu Beginn einzelner Maßnahmen ist es, festzulegen, was das Ziel ist. Für den Weg dorthin sollte im Vorfeld ein Screening der Gesamtsituation der Praxis erfolgen, auf Grundlage dessen eine Planung stattfinden kann.

  • Konkrete Umsetzungsmöglichkeiten

    Ein Beispiel schlechthin ist im Rahmen der Praxisorganisation der delegative Prozess mit der danach zu erfolgenden Videosprechstunde.: Eine VERAH führt Hausbesuche durch, misst dabei z.B. Vitalwerte und nimmt Blut ab. Zur Besprechung der Werte bzw. der weiteren Behandlungsschritte erfolgt dann zwischen Mediziner:in und Patient:in per Video.

  • Welche Software für Arztpraxen gibt es?

    Je nach Anwendungsgebiet und auf Grundlage unterschiedlicher Betriebssysteme, gibt es eine große Auswahl an Anbietern für Praxisverwaltungssystemen. Darüber hinaus gibt es für jeden Bereich der Praxis Digitalisierung unterschiedliche Anwendungen. 

    Profitieren Sie vom Gedanken des Software as a Service (SaaS), bei dem Sie die Praxissoftware, ebenso wie die komplette restliche Ausstattung der Praxis mieten können. Sie arbeiten somit immer mit der neuesten Technologie, was auch als Voraussetzung für eine optimale Vernetzung im Gesundheitswesen gilt.

    Online-Terminbuchungssysteme

    Durch die digitale Terminbuchung erleichtern Sie Ihren Patient:innen die Terminbuchung erheblich. Lästige Wartezeiten in der Warteschleife am Telefon entfallen und auch sind keine Praxisöffnungszeiten mehr zu beachten. Aber auch das Praxisteam wird durch die Digitalisierung entlastet. Durch automatisierte Erinnerungsmails verringern sich Leerlaufzeiten aufgrund vergessener Termine.

  • Schulung des Personals / veränderte Anforderungen an MFAs durch Digitalisierung

    U. a. gab es in den letzten Jahren durch die Einführung digitaler Systeme aufgrund gesetzlicher Grundlagen bereits große Veränderungen im medizinischen Bereich. Auch darüber hinaus gibt es vielfältige Möglichkeiten, wie dieser Artikel bereits erläutert hat. Neben den Möglichkeiten der Umsetzung stellt sich natürlich auch noch die Frage nach der praktischen Umsetzung im Praxisalltag. Dies betrifft Ärzt:innen und medizinische Fachangestellte (MFAs) je nach Applikation immens und verändert die Arbeitsweisen und Abläufe nachhaltig. Daher ist für den Erfolg des Vorhabens Arztpraxis digitalisieren eine Weiterentwicklung digitaler Kompetenzen im Praxisteam von entscheidender Bedeutung.

  • Implementierung und Kontinuierliche Verbesserung

    Unsere Welt ist sehr schnelllebig und die digitale verlangt eine noch höhere Geschwindigkeit. Die Innovationskraft bei digitalen Gesundheitsanwendungen ist immens. Natürlich sollte z.B. die Entscheidung für eine bestimmte PVS eine langfristige sein, jedoch kann die Arbeit mit den digitalen Systemen als iterativen Prozess verstanden werden und Optimierungen in kleinen Schritten möglich machen.

Fazit: So machen und halten Sie Ihre Praxis digital

Zum Teil werden Digitalisierungsprozesse politisch forciert und gesetzlich umgesetzt, jedoch lohnt sich auch über das gesetzlich verankerte Mindestmaß hinaus, die Digitalisierung in der Arztpraxis voranzutreiben. Die Vorteile  sind sehr vielfältig – für Praxispersonal und Patient:innen.

Insbesondere bei der Medizintechnik ist der Digitalisierungsgrad bereits sehr hoch. Arbeiten Sie hier mit modernen Geräten, die optimal in Ihr Netzwerk eingebunden sind, sind Sie schon auf einem sehr guten Weg. Insbesondere bei der hoch technologisierten Ausstattung bietet sich die Miete an, um stets mit den neuesten Standards zu arbeiten.

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Wir unterstützen Sie gerne

Die Leasymed-Partner verfügen seit vielen Jahren über eine fachliche Kompetenz bei  IT-Geräteanbindungen. Von PVS über DICOM, GDT-Schnittstelle und HL7 sind für uns mittlerweile zum Standard geworden. 

Ebenso sind unsere Medizinprodukte, Verbrauchsmaterialien und der Sprechstundenbedarf bequem über ein komfortables Shop-Bestellverfahren mit vielen Vorteilen für Sie möglich. 

Im Rahmen der Praxisorganisation kann auch das Hygienemanagement in der Arztpraxis digitalisiert werden. Wir erstellen und verwalten Hygienepläne digital. 

Auch Ihre digitalen Abläufe an medizinischen Geräten können durch zeitersparende Workflows und Einstellungen an Applikationen durch medizintechnische Experten verbessert werden.

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Sie möchten Ihre Medizintechnik vernetzen und in Ihr PVS einbinden, wissen aber nicht auf was es zu achten gilt? Wir beraten Sie kompetent und herstellerneutral.

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